Pädagogikstudenten – das sind doch alle Ökos mit Rastalocken und Schlabberklamotten? Falsch! „Den typischen Pädagogikstudenten gibt es nicht“, sagt Nazli Hanna. Vom Barbourjacken-Träger bis zum Besitzer selbstgestrickter Mützen finde sich in dem Würzburger Studiengang ein bunt gemischtes Publikum.
Was Pädagogikstudenten gemeinsam haben? „Wer Pädagogik studiert, ist in der Regel an sozialen und kulturellen Fragen interessiert und will in seinem Beruf viel mit Menschen zu tun haben“, sagt die Studentin.
Nazlis Ziel: Mit Kindern arbeiten
Nazli hat sich für Pädagogik entschieden, weil sie nach ihrem Au-Pair-Jahr in Chicago wusste, dass sie mit Kindern würde arbeiten wollen. Ein Lehramtsstudium war ihr allerdings zu sehr auf einen Beruf festgelegt.
„Als Pädagogin stehen mir viel mehr Wege offen“, sagt sie. Welche das sein können, erfahren die Studierenden in ihren Vorlesungen und Seminaren. Dort ist der Bezug zur Praxis hoch. So besuchen Pädagogikstudenten beispielsweise Beratungsstellen und soziale Institutionen, gehen zur Industrie- und Handelskammer oder lassen sich von einem Personalchef eines international tätigen Unternehmens aus seinem Berufsalltag erzählen.
Pädagogische Konzepte entwickeln
Oder sie werden selbst aktiv. Zum Beispiel können sie sich in einem Seminar in die Archivpädagogik einarbeiten. In der Forschungsstelle Historische Bildmedien der Würzburger Pädagogik findet sich Europas umfangreichste Sammlung von Schulwandbildern mit rund 20.000 Originalen aus einem Zeitraum von 150 Jahren zu allen Unterrichtsfächern. Dort entwickeln die Studierenden unter anderem Konzepte, wie man diese Sammlung Schülern nahebringen kann, und testen diese am Ende mit einer realen Klasse.
Familiäre Stimmung im Studium
Familiär sei die Atmosphäre im Pädagogikstudium, so Nazli. Die Studierenden kennen sich untereinander, „das macht es angenehm im Seminar, wenn man nicht von lauter Fremden umgeben ist“, sagt sie.
Eng ist auch der Kontakt zu den Dozenten. „Man kann sich jederzeit an sie wenden.“ Auch wenn es um einen Praktikumsplatz geht oder um die Bewerbung für ein Stipendium, habe sie immer ein offenes Ohr und tatkräftige Hilfe erfahren.
Bunte Stadt mit vielen Möglichkeiten
Nazli Hanna ist aus dem Schwarzwald nach Würzburg gezogen. Da wusste sie nur, dass Würzburg eine „coole Studentenstadt“ sein soll. Wurden ihre Erwartungen bestätigt? „Ja, es ist eine sehr bunte Stadt“, sagt sie. Hier könne man viele Leute treffen und viele unterschiedliche Blickwinkel kennen lernen.
Außerdem gebe es viele Möglichkeiten, sich ehrenamtlich zu engagieren. Sie selbst besucht regelmäßig ein Würzburger Asylbewerberwohnheim und hat dort die Patenschaft für eine Jugendliche übernommen. „Meine Familie und ich haben gute Erfahrungen mit Menschen gemacht, die uns unterstützt haben, als wir nach Deutschland gekommen waren“, sagt sie. Da wolle sie jetzt mit ihrem Engagement etwas zurückgeben.