Panini-Bildchen sind die Einstiegsdroge, Briefmarken der Klassiker, Nachttöpfe schon etwas ungewöhnlicher. Es gibt wohl nichts, was Menschen nicht sammeln. Warum tun sie das? Wie werden Sammlungen in Museen bewahrt, erforscht und öffentlich ausgestellt? Und was sagen sie über die jeweilige Gesellschaft aus, die sich damit beschäftigt?
Solche und viele weitere Fragen beantwortet der Studiengang „Museologie und materielle Kultur“ der Universität Würzburg. „Wir hinterfragen kulturelle Praktiken“, sagt Nicolas Lucker, wenn man ihn nach den Inhalten seines Studium fragt. „Wir überlegen, wie man neue Zielgruppen für Museen erschließen kann“, ergänzt Saskia Riedel.
Die beiden gehören dem zweiten Jahrgang an, der sich für das Museologiestudium in Würzburg eingeschrieben hat, seit dessen Start im Wintersemester 2010/11. Wie sie darauf gekommen sind?
„Ich habe nach einem Studium gesucht, das sich mit Geschichte und Kultur beschäftigt“, sagt Nicolas. Wobei es ihm nicht nur um die reine Wissensvermittlung gegangen sei, sondern auch darum, „das Gegenständliche erfahrbar zu machen“. Dafür ist er von Hannover an den Main gezogen. Saskia will später im Kulturmanagement arbeiten. Die Kombination aus Museologie im Haupt- und Wirtschaftswissenschaft im Nebenfach sei dafür die passende Vorbereitung, sagt sie.
Vielfalt und Praxis im Studium
Vielschichtig sei das Studium, abwechslungsreich und mit Zukunftscharakter, sagen die beiden. Während es zu Beginn eher um theoretische Aspekte gegangen ist – Warum sammelt der Mensch? Wann sind die ersten Museen entstanden? – stand dann sehr rasch die Praxis im Mittelpunkt: Wie ist eine konkrete Ausstellung aufgebaut, wie sind die Objekte im Raum inszeniert? Das mussten die Studierenden untersuchen.
Andere Fragen, mit denen sie sich auseinandersetzten, waren: Aus welchen Materialien sind die gängigen Museumsstücke hergestellt, was ist zu beachten, wenn man sie ausstellen oder inventarisieren will – eine Marmorskulptur braucht andere Bedingungen als eine Wanne voll Fett und Filz – welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Konservierung? Und, nicht zuletzt: Wo bekomme ich das Geld für eine Ausstellung her?
Die Vielfalt der Themen zeigt: Das Museologiestudium in Würzburg ist vielseitig und bietet die Möglichkeit, eigene Schwerpunkte zu setzen. „Abwechslung ist garantiert“, sagt Saskia.
Die Praxis nimmt dabei einen großen Raum ein. „Wir machen viele Exkursionen. Jede Woche geht es mindestens in ein Museum“, so die Studentin. Und in der vorlesungsfreien Zeit reisen sie beispielsweise nach Wien – selbstverständlich zum Besuch der bedeutendsten Museen und Sammlungen.
Lob für die Dozenten
„Super organisiert“ seien diese Exkursionen, berichten die beiden. In jedem Museum gebe es für sie eine spezielle Führung; in der Regel sei damit immer auch ein Blick „hinter die Kulissen“ ins Archiv oder die Werkstatt verbunden. Überhaupt finden die zwei für ihre Dozenten nur lobende Worte: „Die kümmern sich wirklich gut um uns.“ Auch wenn es darum geht, einen Praktikumsplatz zu finden, erhielten sie von den Mitarbeitern der Abteilung große Unterstützung.
Kulturell hat die Stadt viel zu bieten
Museologie in Würzburg studieren – geht das? Sollte man dafür nicht besser in eine Großstadt wechseln, in der die Museenlandschaft deutlich größer ist? Nicht unbedingt, findet Nicolas. Würzburg sei schließlich für alle, die sich für Kunstgeschichte und Volkskunde – sein Nebenfach – interessieren, eine Art Mekka. „Mit all ihren Kirchen, der Residenz und der Festung Marienberg mit ihrer Riemenschneider-Sammlung hat die Stadt viel zu bieten“, sagt er. Da stört es nicht einmal, dass Würzburgs Museen „ein wenig eingeschlafen“ und noch „ausbaufähig“ sind, wie die beiden einhellig finden.
In Würzburg lebt es sich gut
Dafür stimmt das Studentenleben: „In Würzburg fühlt man sich schnell wohl“, sagt Saskia. Sie ist vor allem von dem schönen Stadtbild und den angrenzenden Weinbergen fasziniert. „Bunt durchmischt“ sei die Uni, ergänzt Nicolas – und modern und gut ausgestattet. „Jeder, der Wissen erfahren und schaffen möchte, ist hier willkommen.“