„Wir zwei bilden ein Rudel”, sagt Simone Müller und fängt an, ihre Hündin Gwen zu knuddeln. Was sich zuerst wie ein Scherz anhört, hat einen ernsten Hintergrund: Simone ist darauf angewiesen, dass Gwen sie als einzige Bezugsperson anerkennt – und niemanden sonst.
Denn Simone ist blind und muss sich auf ihre Führhündin absolut verlassen können. Darum ist es für sie auch keine Freude, wenn auf dem Campus andere Studierende Gwen abspenstig machen, indem sie sie locken, streicheln oder gar füttern. Doch das kommt immer wieder vor, trotz der deutlich sichtbaren Aufschrift auf der neongrellen Weste des Tiers: „Blindenführhund: Nicht streicheln – nicht füttern!“
Simone studiert Psychologie und ist davon begeistert. „Es gibt da so viele Zweige, nicht nur den klinischen Bereich, an den die meisten zuerst denken. Es gibt auch Verkehrspsychologie, Sozial- und Medienpsychologie und noch mehr.“
Wie schafft sie es, ohne Sehfähigkeit ein derart anspruchsvolles Studium zu meistern? Zum einen gibt es natürlich technische Hilfsmittel, wie einen Laptop mit Tastatur in Blindenschrift. Und Spezialprogramme, die den Nutzern Internet-Seiten und andere Dokumente vorlesen.
Zum anderen sind da die Kommilitonen und das Lehrpersonal. „Das menschliche Umfeld an der Uni war von Anfang an gut, alle sind sehr hilfsbereit“, sagt Simone. „In der Vorlesung erklären mir die anderen zum Beispiel, was auf den Schaubildern zu sehen ist, die der Dozent an die Wand projiziert.“ Es gibt sogar Dozenten, die ihre Lehrunterlagen extra für Simone aufbereiten: Sie setzen dann zum Beispiel pdf-Dateien in ein simples Textformat um, das die Studentin mit ihrem Rechner lesen kann.
Formeln, Diagramme und andere nicht-lesbare Formate in eine lesbare Version umsetzen: Mit der Planung eines solchen „Umsetzungsdienstes“ für sehbehinderte Studierende hat das KIS-Büro der Uni Würzburg begonnen, die "Kontakt- und Informationsstelle für Studierende mit Behinderung und chronischer Erkrankung". Simone Müller schätzt die engagierte Arbeit der KIS sehr: „Wenn ich ein Problem im Institut für Psychologie nicht lösen kann, ist das für mich die nächste wichtige Anlaufstelle.“
Die KIS informiert und berät – vertraulich und kostenlos – Studieninteressierte und Studierende mit Behinderungen und chronischen Krankheiten. Wer zum Beispiel mehr über die Barrierefreiheit an der Universität wissen will oder über Nachteilsausgleiche bei Klausuren und Hausarbeiten, ist dort genau richtig
Kontakt- und Informationsstelle für
Studierende mit Behinderung und chronischer Erkrankung