Schülerzeitung UniZeit

Studieren an der Uni Würzburg - 2014/15

„Am Anfang habe ich nicht immer alles verstanden.“ Alex Sangeorzan ist fürs Studium von Rumänien nach Würzburg gezogen.
„Am Anfang habe ich nicht immer alles verstanden.“ Alex  Sangeorzan ist fürs Studium von Rumänien nach Würzburg gezogen.

Mit Teamwork durchs Studium

Wer sein Smartphone nach dem Weg zum nächstgelegenen Apple-Store fragt, weil er sich ein Tablet kaufen möchte, wird nicht zufrieden sein, wenn er bei einem Obsthändler landet. Aber woher soll die Software wissen, dass mit „Apple“ der Hersteller aus Cupertino gemeint ist, nicht die Obstsorte? Wer sagt ihr, dass die Suche nach „Bank“ das Finanzinstitut meint, nicht die Sitzgelegenheit? Und „Safari“ nicht den Abenteuerurlaub, sondern den Browser?

Mit solchen Problemen hat sich Ion Alexandru Sangeorzan in seiner Bachelorarbeit beschäftigt. Der Informatikstudent hat dabei nach einem Weg gesucht, wie sich das Problem der Mehrdeutigkeit solcher Begriffe, die im Internet gerne in Form von „Tags“ verwendet werden, lösen lässt. Sein Ansatz: „Wenn man Cluster bildet, kann man den Tags Sinn geben“, sagt er. Konkret bedeutet dies: Das von ihm entwickelte Programm schaut nach, in welchem Zusammenhang der jeweilige Begriff auftaucht.

Erst die Umgebung liefert dem Begriff den Sinn

„Finden sich im Umfeld des Tags ‚Bank‘ beispielsweise Begriffe wie ‚Geld‘ oder ‚Konto‘, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass das Finanzinstitut gemeint ist“, sagt Alex. Als Referenz hat ihm dabei das Online-Lexikon Wikipedia gedient. Dort gibt es spezielle Seiten zur Begriffserklärung; sie beschreiben mehrdeutige Begriffe in ihrer jeweiligen Bedeutung und liefern damit jede Menge hilfreicher Tags für die Clusterbildung.

Alexandru Sangeorzan ist in Rumänien geboren und hat dort auch die Schule besucht. Für das Studium in Deutschland hat er sich wegen des besseren Studienangebots und der beruflichen Perspektiven entschieden. Das Interesse am Programmieren wurde bei ihm im Gymnasium geweckt. Dort hatte er erste Kontakte mit Programmiersprachen wie Pascal und C++, dort hat er zum ersten Mal verstanden, „dass man mit Computern nicht nur spielen kann, sondern Probleme lösen“.

In einer fremden Sprache ein Studium aufnehmen: Das ist – auch mit bestandenem Sprachentest – nicht ganz einfach. „Am Anfang habe ich in den Vorlesungen nicht immer alles verstanden. Aber das hat sich relativ schnell gegeben“, erinnert sich Alex. Glücklicherweise ist das Hilfsangebot für Informatikstudierende in den ersten Semestern groß. „Die Vorkurse sind enorm hilfreich“, sagt Alex. Dort können die Teilnehmer noch vor Beginn des Studiums ihre Kenntnisse im Programmieren, in Beweismethoden der Mathematik und in den Rechenmethoden der Physik vertiefen oder auf den neuesten Stand bringen.

Im Team den Weg zur Lösung finden

Hilfreich sind auch die vielen Übungen, die parallel zu den Vorlesungen angeboten werden. In der Regel arbeiten Teams von zwei oder drei Studierenden daran, die Übungsaufgaben zu lösen. Teamarbeit sei angebracht, weil die Aufgaben nicht immer ganz einfach sind. „Anders als in der Schule weiß man häufig nicht, wie man eine Aufgabe bearbeiten soll“, sagt Alex. Wenn dann mehrere Köpfe gemeinsam über dem Problem brüten, ist es nur eine Frage der Zeit, bis der Weg zum Ergebnis gefunden ist – auch wenn sich am Ende häufig zeige, dass es eine elegantere und vor allem schnellere Alternative gibt, so Alex. Aber das ist ja auch ein Lernerfolg.

Und wer an einer Stelle gar nicht weiterkommt, dem stehen sogenannte „Erklär-Hiwis“ mit Rat und Tat zur Seite. Erklär-Hiwis sind in der Regel ältere Studierende, die sich im Auftrag der Uni vor allem um Studienanfänger kümmern. Ihre Sprechzeiten sind auf den Stundenplan der ersten Fachsemester abgestimmt und finden an zentralen Orten statt. Sie sind über den Stand der Lehrveranstaltungen informiert und können Rückmeldungen über aufgetretene Fragen und Probleme an die Dozenten geben.

Bitte keine Vorurteile gegen Data-Mining und Information Retrieval

Data-Mining und Information Retrieval sind die Bereiche innerhalb des großen Angebots der Informatik, die Alex am Besten gefallen. In ihnen geht es darum, große Mengen an Daten so zu strukturieren und zu gewichten, dass sich gezielt Informationen daraus gewinnen lassen. „Data Mining ist mittlerweile in der Öffentlichkeit ziemlich negativ besetzt“, sagt Alex. Viele Menschen würden dabei nur an personalisierte Werbung denken, die ihnen auf ihrer Facebook-Seite in Form von Anzeigen für Urlaubsreisen begegnet, seit sie einmal  gepostet haben: „Bin urlaubsreif!“ Oder an Geheimdienste, die den weltweiten E-Mail-Verkehr nach bestimmten Schlüsselbegriffen durchforsten.

Alex hingegen sieht die Vorteile dieser Technik. Sie mache es beispielsweise möglich, dass die gewaltigen Datenmengen, die heutzutage in der Astronomie anfallen, bearbeitet werden können. Sie ist aber auch dafür verantwortlich, wenn Spotify seinen Abonnenten neue Musik vorschlägt oder Amazon Lese-Tipps gibt.

Und nach der Uni geht‘s zum Hochschulsport

Ein Informatiker – der sitzt bestimmt ständig am Computer und sieht das Tageslicht bestenfalls auf dem Weg zur Uni. Auf Alexandru trifft dieses Vorurteil nicht zu; er spielt in seiner Freizeit gerne Basketball. „Der Uni-Sport hat dafür ein sehr gutes Angebot“, sagt er. Wer will, kann zu festen Zeiten die Trainingsstunden besuchen und dort unter kompetenter Anleitung an seiner Technik feilen. Oder zu einem der freien Spieltermine gehen und sich spontan mit anderen Studierenden zu Teams zusammenschließen, die dann gegeneinander antreten. Das funktioniere – auch ohne Strukturierung und Gewichtung – ziemlich gut.

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