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    Der Bombenangriff vom 16. März 1945

    Mit den Angriffen auf Coventry und London 1940 erreichten die Terrorangriffe aus der Luft gegen Zivilisten, die ab 1943 mit entsetzlicher Wirkung in ihr Ursprungsland zurückkehren sollten, ihren ersten Höhepunkt. Dass Würzburg so lange Zeit verschont geblieben war, während zahlreiche andere deutsche Städte, vor allem Hamburg, Berlin und Dresden, bereits in Trümmern lagen, nährte die Hoffnung, die Stadt mit nur wenigen kriegswichtigen Industrien könnte von einem massiven Angriff verschont bleiben. In diese Stimmungslage mischten sich irrationale Gerüchte, wie das von einem Studium Winston Churchills an der Würzburger Universität, weswegen der Stadt ein Schicksal wie das Dresdens erspart bleiben würde. Vereinzelte kleinere Angriffe seit Februar ließen diese Hoffnung aber bald schwinden. Die ständigen Luftalarme gehörten schon längere Zeit zum Alltag.

    Ab Mai 1944 war die Universität an das Luftschutz-Warnnetz angeschlossen, um eine Fortführung des Lehrbetriebs zu ermöglichen, da eine Evakuierung nur bei einer akuten Bedrohungslage notwendig wurde. Mit dem beständigen Näherrücken der Front verkürzte sich die Vorwarnzeit, die Frequenz der Angriffe erhöhte sich jedoch zunehmend, so dass an einen geregelten Betrieb der Hochschule Anfang 1945 nicht mehr zu denken war. Das Wintersemester 1944/45 war glücklicherweise bereits am 28. Februar zu Ende gegangen. 1.768 Studenten waren in diesem letzten Kriegssemester noch eingeschrieben gewesen. So lag die Universität weitgehend verwaist, als der verheerende Bombenangriff durch 280 Flugzeuge der Royal Air Force vom 16. März 1945 um 21:20 Uhr begann. Er dauerte zwanzig Minuten, doch der sich anschließende Feuersturm sollte in den folgenden Stunden die Altstadt zu 90 % zerstören und rund 5.000 Menschen das Leben kosten.

    Schreiben König Ludwigs I.
    Schreiben König Ludwigs I. (zum Vergrößern anklicken)

    Auch die meisten Universitätsbauten sind dem Bombenangriff zum Opfer gefallen. Mit am schwersten betroffen war die Neue Universität am Sanderring, die weitgehend ausbrannte, insbesondere der Hauptbau und der Ostflügel waren bis auf die Außenwände und Teile des Kellers vernichtet, somit hatten die theologische sowie die rechts- und staatswissenschaftliche Fakultät ihre Einrichtungen und Seminarbibliotheken verloren. In der philosophischen Fakultät waren noch der Lichtbilderbestand der Kunstgeschichtlichen und Archäologischen Institute erhalten geblieben. Teilweise verschont geblieben ist der Westflügel und somit das Englische und das Romanische Seminar mit ihren Bibliotheken und Einrichtungsgegenständen sowie teilweise das Germanistische Seminar. Völlig vernichtet wurde die Sternwarte. Auch die Registraturräume des Verwaltungsausschusses und der Universitätskasse gingen am 16. März verloren. Ein großer Teil der in der Neuen Universität gelagerten historischen Akten wurde in dieser Nacht ein Raub der Flammen. Die durch den Feuersturm entfesselten Kräfte waren so gewaltig, dass ein Aktenstück aus dem Archiv der Universität, ein Schreiben König Ludwigs I. vom 3. November 1826 (siehe Abbildung), über 50 km durch die Luft getragen wurde und am folgenden Tag im Steigerwald niederregnete. Weitere Verluste an Aktenmaterial und Büroeinrichtungen geschahen in den folgenden Wochen durch Verwüstungen und Plünderungen, weil die Türen der Archiv- und Lagerräume nicht verschlossen werden konnten.

    Die Gebäude der naturwissenschaftlichen Anstalten und Institute im Bereich des Roentgenrings sind nur geringfügig beschädigt worden, im Gegensatz zum Zoologischen und Geographischen Institut in der Klinikstraße, die schwere Bombenschäden erlitten haben. Mit Ausnahme der in der Neuen Universität untergebrachten mathematischen Bibliothek haben die naturwissenschaftlichen Bibliotheken den Angriff überstanden.

    Vergleichsweise gut hat auch das Luitpoldkrankenhaus am Stadtrand den Angriff überdauert. Zwar wurden zahlreiche Dachstühle ein Opfer der Flammen und einige Obergeschosse waren ausgebrannt sowie Fenster und Türen beschädigt, die Einrichtungsgegenstände waren aber zu einem großen Teil noch vorhanden, so dass die Kliniken ihren unerlässlichen Betrieb fortführen konnten. Schwerer getroffen waren nur einige Institute in der Koellikerstraße (das Anatomische, Pharmakologische sowie das Physiologisch-Chemische Institut) und das Erbbiologische Institut (Klinikstr. 6).

    Auf das Schwerste wurde auch die Universitätsbibliothek in der Alten Universität in Mitleidenschaft gezogen, die Teile ihrer Bestände nicht hatte auslagern können und etwa 200.000 Bücher und 250.000 Dissertationen verloren hat. Teile der Sammlungen des Martin von Wagner Museum sind erhalten geblieben, die universitätsgeschichtliche Sammlung aber ist verbrannt.


    Welches Bild die Universität unmittelbar nach dem Krieg bot verdeutlicht eine Erinnerung von Professor Werner Wachsmuth, der einem niederbayerischen Landtagsabgeordneten die Ruinen der Universität zeigte und dieser beim Anblick der Neuen Universität sagte: „I moan, wia reiß´m des ganze Glump hier zamm und stöin´s in Rengschburg wieda auf“. Mag diese Aussage auch amüsant klingen, die Verlegung der Universität Würzburg war nach dem Krieg eine tatsächlich diskutierte Option, die im nächsten Beitrag beleuchtet werden soll.

    Autor: Marcus Holtz

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