Ein Pfad mit hoher Wissensdichte

Feierliche Eröffnung des Nobelpreisträger-Lehrpfades (v.l.): Organisator Armin Stock, Unipräsident Axel Haase, Oberbürgermeisterin Pia Beckmann. (Foto Gunnar Bartsch)

13 Nobelpreisträger haben einen Teil ihrer wissenschaftlichen Karriere an der Universität Würzburg absolviert – 13 große Schautafeln informieren ab sofort im Würzburger Ringpark entlang des Röntgenrings über Leben und Forschen dieser Wissenschaftler. Den so genannten „Nobelpreisträger-Lehrpfad“ haben Vertreter von Uni und Stadt am Mittwoch offiziell eröffnet. Damit hat das Projekt „Wissenschaftsmeile Röntgenring“ seinen Abschluss gefunden.

Wilhelm Conrad Röntgen (Nobelpreis 1901), Walther Nernst (Nobelpreis 1920), Karl Landsteiner (Nobelpreis 1930): Lauter Namen, die in der Wissenschaft – und teilweise auch darüber hinaus – einen guten Ruf besitzen. Sie alle haben das Wissen geschaffen, von dem unsere Gesellschaft heute noch profitiert; und sie alle verbindet eine Tatsache: Jeder von ihnen hat einen Teil seiner Karriere am Würzburger Röntgenring innerhalb von nur 200 Metern zwischen dem früheren Physikalischen Institut und der Alten Chemie verbracht. Insgesamt zehn der 13 Nobelpreisträger der Universität Würzburg haben hier geforscht und gelehrt.

Wer sie waren, woran sie gearbeitet haben und welche Bedeutung ihre Entdeckungen für die heutige Zeit haben, darüber informieren ab sofort 13 mehr als mannshohe Informationstafeln. Sie stehen im Würzburger Ringpark parallel zu den Gebäuden am Röntgenring und laden Spaziergänger zum Lesen und Sich-Informieren ein. Knapp 2000 Euro hat die Herstellung jeder einzelnen Tafel gekostet. Das Geld dafür kam nicht aus dem universitären Haushalt. Finanziert haben den Lehrgang Firmen, deren Produkte in einem Zusammenhang mit dem jeweiligen Forscher stehen, Banken und Stiftungen aus dem Würzburger Raum.

„Wir haben hier am Röntgenring eine enorm große Dichte an Nobelpreisträgern über die Jahrzehnte hinweg gesehen“, sagte Unipräsident Axel Haase bei der Eröffnung des Lehrpfads. Auch wenn nicht jeder Preisträger seine Entdeckung tatsächlich in Würzburg gemacht habe, basiere der Erfolg doch immer auf einer „Fülle von Informationen und Erkenntnissen, die im Laufe der Zeit gemacht wurden“ – und damit eben auch auf der Zeit in Würzburg.

Zwei Dinge will die Universität mit den Schautafeln vor allem deutlich machen: „Die Eigenschaft ‚Nobelpreisträger’ wird einem nicht in die Wiege gelegt. Die muss man sich erkämpfen“, sagte Haase. Dies ließen die Lebensläufe der 13 teilweise sehr deutlich erkennen. Und zum zweiten: „Wissenschaft findet nicht im Elfenbeinturm statt. Sie führt häufig zu Produkten, die im Alltagsleben eines Jeden von Bedeutung sind“, so der Unipräsident. Das prominenteste Beispiel dafür: Röntgenstrahlen. Die wurden tatsächlich hier am Röntgenring entdeckt.

Pia Beckmann, Oberbürgermeisterin der Stadt Würzburg, freute sich über die Verwirklichung des gemeinsamen Projekts von Stadt und Universität. Auf dem Lehrpfad könnten Bewohner und Besucher gut sehen, welch „Potenzial an Wissen“ in Würzburg vorhanden war und ist. Der Pfad sei eine „zusätzliche Attraktion“ für die Stadt, sagte Beckmann.

Organisiert hat die „Freiluft-Ausstellung“ Armin Stock, der wissenschaftliche Referent des Unipräsidenten Axel Haase. Von Stock stammte auch die Idee, dass die Universität Würzburg sich mit dem Vorschlag einer „Wissenschaftsmeile Röntgenring“ als ausgewählter Ort im „Land der Ideen“ bewerben sollte. Diese Kampagne war 2005 von der Bundesregierung, dem Bundesverband der Deutschen Industrie sowie einzelnen Unternehmen ins Leben gerufen worden und stand unter der Schirmherrschaft von Bundespräsident Horst Köhler. Ihr Ziel war es, im Jahr der Fußball-Weltmeisterschaft „der Welt zu zeigen, wie deutsche Dichter und Denker, Forscher und Erfinder, Künstler und Komponisten das Leben seit Jahrhunderten bequemer, sicherer und schöner machen“.

Der heute eröffnete Nobelpreisträger-Lehrpfad ist allerdings nur ein Teil des Gesamtprojekts „Wissenschaftsmeile Röntgenring“. Sozusagen zum festlichen Einstieg ließ die Universität Würzburg im Dezember 2006 eben jene altehrwürdigen Forschungsinstitute am Röntgenring, in denen die Nobelpreisträger geforscht oder gelebt hatten, abends illuminieren. Mitte Dezember folgte eine Ausstellung, in deren Mittelpunkt Forschung und Werdegang der Wissenschaftler standen. Nach mehreren Wochen im Würzburger Cinemaxx-Kino, wo sie sich einem überwiegend jungen Publikum präsentierte, ist die Ausstellung inzwischen in die Uni umgezogen. Dort kann sie noch bis Sommer im unteren Foyer der Universität am Sanderring besichtigt werden. Lehrer, die ihren Schulklassen die Ausstellung zeigen möchten, können sich bei der Uni an Armin Stock wenden, Tel.: (0931) 31-3059, E-Mail: armin.stock@uni-wuerzburg.de

Darüber hinaus ist begleitend zur Ausstellung das Buch „Nobelpreisträger in Würzburg. Wissenschaftsmeile Röntgenring“, geschrieben von Jost Lemmerich und Armin Stock, erschienen. Es kostet 9,95 Euro und kann in den Buchhandlungen Hugendubel, Knodt, Neuer Weg, Thalia, Schöningh und Dreizehneinhalb erworben werden.

Außerdem ließ die Universität ein Nobelpreisträger-T-Shirt gestalten, das ebenfalls für 9,95 Euro zu haben ist. Das Shirt gibt es bei der Buchhandlung Schöningh oder, wie auch das Begleitbuch, bei Armin Stock. Die Einnahmen aus dem Buch- und Shirt-Verkauf verwendet die Uni zur Finanzierung des Projekts „Wissenschaftsmeile Röntgenring“.

Mehr Infos unter: www.uni-wuerzburg.de/ueber/universitaet_wuerzburg/wissenschaftsmeile_roentgenring/startseite/