6. Semester
Im 6. Semester hängt die drohende Pharmakologie-Klausur wie das Schwert des Damokles über den Studenten und beherrscht regelmäßig die Gespräche und Gedanken. Dabei sollten aber auch die anderen Fächer nicht übersehen werden: Innere Medizin, Radiologie oder Rechtsmedizin sind nämlich durchaus anspruchsvoll, machen dafür aber auch richtig Spaß.
Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin
Einen abschreckenderen Titel für ein Fach gibt es kaum – vor allem das Wort „Theorie“ veranlasst die Studenten zu grauenvollen Gedanken an die Vorklinik. Lässt man diesen Begriff aber mal beiseite, entdeckt man in „GTE“ (wie es in der Regel genannt wird) ein spannendes und abwechslungsreiches Fach, das interessante Einblicke in die Geschichte ebenso bietet wie heiße Diskussionen über ethische Aspekte der Abtreibung oder Palliativmedizin. Neben der freiwilligen Vorlesung ist der Besuch eines Seminars Pflicht, das in einer (samstags) oder maximal zwei (zwei Abende unter der Woche) Sitzungen abgehalten wird. Die Klausur ist mit dem Stoff aus den Vorlesungen gut zu bewältigen.
Humangenetik
Die Humangenetik erfreut den Studenten im 6. Semester immer montags mit Vorlesungen über bekannte wie auch eher unbekannte Erbkrankheiten, lässt dabei aber auch den praktischen Aspekt nicht beiseite: So wird zum Beispiel unter ethischen Gesichtspunkten diskutiert, ob man wirklich in jedem Fall die Eltern über eine mögliche genetische Vorbelastung ihres Kindes informieren sollte und wann eine Abtreibung rechtlich genehmigt ist. Die Klausur selbst ist ziemlich knackig, kann mit dem Stoff aus den Vorlesungen aber auch ohne Lehrbuch erfolgreich bestanden werden.
Innere Medizin
Im sechsten Semester erwartet die erste Hälfte der „Königsdisziplin“ Innere Medizin den Studenten. Je nach Jahreszeit stehen dabei unterschiedliche Themen an: Im Sommersemester werden die Endokrinologie, Gastroenterologie, Hämatologie und Onkologie behandelt, im Wintersemester stehen die Angiologie, Kardiologie, Nephrologie und Pulmonologie auf dem Programm.
Der relevante Stoff wird in einer in der Regel sehr lohnenswerten Vorlesung, die durch die Vorstellung von Patienten und deren Fällen sehr praxisorientiert ist, behandelt. Die Praxis soll dagegen im „KPIM“ (Klinisches Praktikum Innere Medizin) mit „SIM“ (Seminar Innere Medizin) ausreichend Raum finden. Dabei werden – in Abhängigkeit von dem begleitenden Arzt – zum Beispiel Patienten untersucht oder bestimmte Fälle besprochen.
Am Ende steht dann eine Multiple-Choice-Klausur, die am Anfang des siebten Semesters stattfindet. Deren Punkte werden (wie aus der Physiologie schon bekannt) mit der zweiten Klausur addiert und ergeben dann insgesamt die Note für die Innere Medizin. Wenn man die Vorlesung eifrig besucht und sich mit einem ordentlichen Lehrbuch beschäftigt, ist diese aber sicherlich fair und auch gut zu bestehen.
Kinderheilkunde – Praktische Übungen
Dieses propädeutische (also „vorbildende“) Praktikum findet an zwei Terminen in Kleinstgruppen (in der Regel drei Studenten) statt und besteht jeweils aus dem Besuch einer pädiatrischen Station zusammen mit einem Arzt – dessen Engagement entscheidet dann auch maßgeblich über die Qualität des Praktikums. Interessant ist es auf jeden Fall – und wen es auf eine onkologische Station verschlägt, der wird daran noch einige Zeit zu nagen haben. Eine Klausur oder eine andere Prüfung gibt es bei diesem Kurs nicht.
Pharmakologie und Toxikologie
Einen der absoluten Kracher im gesamten Medizinstudium stellt sicherlich die Pharmakologie-Klausur dar: Das Themengebiet ist schier unendlich breit und die Wissenstiefe, in die bei den Klausurfragen vorgestoßen wird, geht weit in den Keller. Wenn man sich von dieser Tatsache nicht gleich abschrecken lässt, erwartet den Studenten allerdings ein hochinteressantes und -relevantes Fach – vom Internisten bis zum Chirurgen wird schließlich jeder eines Tages mit Medikamenten arbeiten.
Das Lehrangebot zum Fach besteht im Wesentlichen aus der Vorlesung, deren Qualität sehr schwankend ist (ein absolutes „Muss“ sind der gesamte Einführungsblock von Prof. Lohse und die Vorlesungen von Prof. Jahns zum Themenbereich KHK!), und aus dem Praktikum. Letzteres darf man sich eher wie ein Seminar vorstellen, zu dem es aber immer Hausaufgaben gibt – diese werden zwar nie kontrolliert, blank sollte man allerdings nicht sein: Vom Dozenten vor einer Gruppe von 25 Studenten bloßgestellt zu werden ist nicht jedermanns Geschmack! Ganz unabhängig davon tauchen manche Hausaufgaben in abgewandelter Form in der Klausur wieder auf und bringen wichtige Punkte.
Wenn man fleißig in die Vorlesungen geht, beim Praktikum mitarbeitet, sich ein ordentliches Lehrbuch anschafft (viele Kurzlehrbücher reichen leider nicht aus!) und das Altklausurenskript der Fachschaft bearbeitet (das in offizieller Kooperation mit der Pharmakologie erstellt wird!), dann wird man auch diese Klausur bestehen – fair ist sie nämlich allemal. Das MLP-Skript, das am Anfang eines jeden Semesters vertrieben wird, schwankt in der Qualität sehr stark – manche Versionen sind aber auch durchaus empfehlenswert.
Prävention und Gesundheitsförderung mit Praktikum Impfkurs
Dieses sehr heterogene Fach wird von Dozenten verschiedenster Kliniken und Institute gehalten und gliedert sich in die Vorlesung, die den für die Klausur notwendigen Stoff nur teilweise und manchmal etwas chaotisch vermittelt, sowie in ein Praktikum, das als „Impfkurs“ bezeichnet wird. An zwei Terminen wird jeweils zu Beginn etwas Theorie über Impfungen gelehrt, anschließend wird es praktisch: Am einen Tag wird von allen Teilnehmern Blut abgenommen (eine gute Gelegenheit, um seine Fähigkeiten aus der Famulatur zu überprüfen!), das bis zum zweiten Termin von der Betriebsärztlichen Stelle ausgewertet wird. Bestehen noch Impflücken, so können diese dann (ebenfalls durch Mitstudenten) geschlossen werden. Das Fach endet schon zur Mitte des Semesters mit einer Klausur, die recht gut zu schaffen ist.
Radiologie – Grundlagen
Die Radiologie wird im Verlauf des Studiums in zwei Abschnitten angepackt: Während es im 6. Semester vor allem um die Grundlagen geht, erwartet die tatsächliche klinische Anwendung die Studenten erst im 8. Semester. Das Ergebnis der Klausur wird mit der aus dem 8. Semester verrechnet – erst dann gibt es die endgültige Note und den zugehörigen Schein.
Die Thematik wird in Form von Seminaren, die sich mit allen großen Bereichen, in denen Bildgebung notwendig ist (Kinderheilkunde, Gynäkologie usw.) beschäftigen, angegangen. Die Qualität schwankt dabei von Dozent zu Dozent unglaublich, der Besuch ist (ganz unabhängig von der Anwesenheitspflicht) trotzdem zu empfehlen: Mancher Seminarleiter gibt gerne entscheidende Tipps für die Klausur. Daneben ist das Altklausurenskript der Fachschaft hier unumgänglicher Teil der Vorbereitung.
Rechtsmedizin
Kaum ein Fach in der Klinik polarisiert derart wie die Rechtsmedizin: Ein Teil der Studenten ist fasziniert von den Fällen und Bildern, der Rest dagegen wendet sich vor Ekel ab. Die Lehre an sich ist aber zweifelsohne mehr als lobenswert: Die Vorlesung ist klar strukturiert, sehr bildlich dargestellt und sorgt nie für Langeweile – demnach ist sie auch immer bestens besucht. Einen besonderen Höhepunkt stellt das Praktikum dar, bei dem man (im Idealfall) eine ganze Obduktion mitverfolgen kann. Die Klausur am Ende des Semesters ist zwar sicherlich nicht geschenkt, kann aber mit den Vorlesungsfolien, die von den Dozenten auch zuverlässig ins Netz eingestellt werden, problemlos absolviert werden.
Strahlenphysik, Strahlenbiologie und Strahlenschutz
Diese einmalige Blockveranstaltung am Anfang des Semesters soll die physikalisch-theoretischen Hintergründe für die Radiologie liefern, ist aber staubtrocken und ohne Anwesenheitspflicht, weswegen man sich den Besuch ernsthaft überlegen sollte – in dieser Zeit kann man viel sinnvollere Dinge erledigen.

