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Insight

Ethik des Blicks - Professionalisierte Blicke

Das Teilprojekt der Medizinhistorischen Sammlungen will Objekte der Sammlung – Fotografie/Diapositive, dermatologische und gynäkologische Wachsmoulagen sowie gynäkologische Untersuchungsinstrumente – als materielle Kultur eines historischen Prozesses untersuchen, in dem der „professionalisierte Blick“ in der Medizin entstand und die ethische Dimension dieser Facette des Sehens, des Blickes auf und in den Körper kranker Menschen analysieren. Dabei soll sowohl der Kontext des ärztlichen Blicks und die Frage der Ethik des Blicks in der Medizin historisch rekonstruiert, als auch einzelne Bildserien im Detail sowie dazu passende Fotografien und Moulagen für die Forschung erfasst werden. Hierbei gilt es, folgende Blickachsen zu analysieren: 1. Der Blick des Bildproduzenten (Fotograf/Mouleur) auf den Menschen; 2. Der ärztliche Blick resp. das Lehren und Lernen eines professionalisierten Blicks im Medizinstudium im frühen 20. Jahrhundert und; 3. Der Blick des/der Medizinhistorikers/in auf das historische Material.

Das Thema „Geschlechtskrankheiten“ zu Beginn des 20. Jahrhunderts eignet sich dazu in besonderem Maße, zudem ermöglicht es die Verknüpfung zwischen zwei- und dreidimensionalem Material. Die Problematik des ärztlichen, professionellen Blicks in den Körper kann anhand von Untersuchungsinstrumenten aus der Medizin analysiert werden. Ausgewählt werden solche Instrumente, die zur Diagnostik von „Geschlechtskrankheiten“ (venerische Erkrankungen) verwendet wurden und so den ärztlichen Blick in das Körperinnere richteten. Wie wurde das Blicken in den Körper im Schambereich der Patienten und Patientinnen jeweils zeitgenössisch bewertet? Mit welchen Praktiken wurde ein professionalisierter medizinischer bzw. ärztlicher Blick hergestellt? Wie materialisierte sich der zeitgenössische Diskurs über die Schamhaftigkeit der Patientin in Beschaffenheit, Funktion und Anwendungsweise eines Instruments, mit dem der untersuchende Arzt die Grenze zum intimen Raum des kranken Menschen überschritt? Die historische Distanz zu den Bildern bietet die Möglichkeit, Ambivalenzen und Machtbeziehungen zwischen Arzt und Patient/Fotograf und Fotografiertem zu reflektieren, die auch den heutigen Umgang mit Bildmaterial in der medizinischen Wissenschaft prägen.

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